Vom Papierkrieg und artistischen Baggern
So, wieder ein Tag rum. Und was für einer. Es begann eigentlich alles ganz ruhig mit einer Tasse Kaffee und einer Butterbreze im Büro. Die Planung für den restlichen Tag war eigentlich klar: bis ca. 12 Uhr arbeiten, dann in die Stadt zur Uni fahren und beim zuständigen Prof. mein Praktikum anerkennen lassen.
Als ich dann während der Arbeit so 10 vor 11 mal zufällig meine Mails überprüfte, war da eine Mail von eben diesem Prof mit dem Hinweis das seine Sprechstunde, die wohl gemerkt die letzte in diesem Semester sein sollte, auf 10:30 bis 11:15 vorverlegt wurde. Dumm das. Also ich Hals über Kopf aufgebrochen und nach München gefahren. Und damit nimmt das Drama seinen Lauf...
An der Tram-Haltestelle wurde mein Plan noch irgendwie rechtzeitig in die Uni zu kommen von einem Schild so zunichte gemacht, wie es nur Schilder bei den öffentlichen Verkehrsmitteln können. Da lachen einem farbenfrohe Zettel entgegen und suggerieren einem das man mit dem sog. SEV (Schienen Ersatz Verkehr) einfach, problemlos und vor allem schnell an sein Ziel gelangen könnte. Wie auch immer. Der Bus kam dann glücklicherweise auch schon nach 5 Minuten, fuhr nach kurzer Verzögerung auch schon weiter und streifte dann erstmal einen dort parkenden Bus am Rückspiegel. Also, Bus bleibt wieder stehen und das obligatorische Aussteigen, Nachschauen und mit Zivilisten und Fahrern/Eigentümern beschädigter Fahrzeuge diskutieren begann. Nachdem der Schaden aber nicht groß war, ging es nach 5 Minuten Verzögerung zum Glück schon wieder weiter. Die nächsten Minuten gestalteten sich dann aber überaus zäh, in etwa so zäh wie der Verkehr entlang der Dachauer Straße. Denn die besteht aufgrund der Umbaumaßnahmen an den Trammgleisen nur noch aus einer einzigen Baustelle mit wahlweise roten Ampeln die die Weiterfahrt verhindern, Baggern die im Weg umgehen, Lastwägen die halb in der Straße stehen und Zebrastreifen. Alles in allem Dinge die man nicht mal im entferntesten auf einer Straße sehen will, wenn man auf ihr unterwegs ist um schnell an einen anderen Ort zu gelangen. Aufgrund dieser rosigen Aussichten und der eigentlich schon viel zu weit vorangeschrittenen Zeit, habe ich dann über mein Handy die Webseite mit der Telefonnummer vom Prof. rausgesucht - und es soll nochmal einer sagen Internetfähige Handies wäre unnütz oder nur ein Spielzeug für Techies! Den konnte ich glücklicherweise gerade noch erreichen; er blieb freundlicherweise sogar noch ein paar Minuten für mich da! Puuh!
Nachdem ich dann endlich an der Haltestelle Lotstraße angekommen war, bin ich gleich in die Uni rein und in das erste Labor das ich finden konnte. Denn wie ich unterwegs festgestellt hatte, befanden sich in meiner Tasche natürlich nur eins von drei Dokumenten. Aber kein Problem dachte ich, das kann ich ja im Labor ausdrucken. Sogar Papier hatte ich dabei! Im Labor ungeduldig den erstbesten Rechner eingeschaltet und... gewartet. Und weiter gewartet. Erstaunlich wie lange ein System zum Booten benötigen kann! Als er dann hochgefahren war, habe ich mich angemeldet und... wieder gewartet. Da lief ein NetInstaller an, installierte dies, deinstallierte das, kopierte hier ein wenig, löschte da ein bisschen... Meine Nerven waren zu dem Zeitpunkt bereits leicht gereizt. Dann war die Kiste endlich gebootet, ich konnte auf meinen USB-Stick schauen, und die PDF Dokumente öffnen und zum Drucken schicken.
An dieser Stelle spielte mir das Schicksal einen weiteren üblen Scherz: natürlich war der Toner leer.
Und jetzt geht es auf zum Finale: Nachdem Drucken nicht drin war, bin ich einfach so zum Prof. gegangen und hab ihm die Lage erklärt. Er hat sich dann bereit erklärt sich die Dokumente einfach als PDFs anzusehen. Er öffnet den Praktikumsvertrag und meint prompt das es der falsche Vertrag wäre und ich müsse doch bitte den Vordruck von der HM verwenden...
Klasse!
Glücklicherweise hat er sich bereit erklärt die nachgereichten Dokumente anzusehen und abzusegnen. Sonst wäre ich an diesem Punkt vermutlich ausgerastet...
Auf dem Heimweg hab ich dann noch ein paar Bilder gemacht um das Ausmaß der Schäden an der sonst so zuverlässigen Tram zu dokumentieren. Da gab es interessantes zu sehen, einen Bagger der die Gleise aus ihren Verankerungen hob und dabei fast immer umkippte und große Löcher im Boden...
- Wie jetzt, DA einsteigen?
- Und er setzt an…
- … und stellt sich auf die Vorderräder! Bravo!
- Das sind keine normalen Tram-Gleise!
- Und so sehen Tram-Gleise auch nicht aus…





